Die Familie Heller und die Hansa-Brauerei
Von Karl-Peter Ellerbrock

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Theo Heller (1872 - 1945), erster Drirektor der Dortmunder Hansa-Brauerei (Quelle: WWA)Als die in den 1870er Jahren gegründete Dortmunder Borussia-Brauerei im Kontext der wirtschaftlichen Rezession um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Konkurs geriet, übernahm 1901 ein Gläubiger-Konsortium das Unternehmen und gründete die Dortmunder Hansa-Brauerei als Aktiengesellschaft. Die Leitung übernahm der damals erst 29jährige Theodor Heller (1872 - 1945), zuvor Prokurist und Kassierer beim Dortmunder Bankverein.

Die Familie Heller sollte ein gewichtiges Stück Dortmunder Braugeschichte schreiben: Theo Heller holte nach dem Ersten Weltkrieg seinen jüngeren Bruder Hermann (1888 - 1971), promovierter Jurist und vom ehemaligen Reichskanzler Michaelis zum Leiter der Pommerschen Provinzialwohlfahrtsstelle berufen, in die Brauwirtschaft. Er wurde Chef der 1918 in die Hansa-Brauerei eingegliederten Linden-Brauerei in Unna, heute Standort der NRW-Route Industriekultur. 1926 wurde er als Justitiar stellvertretendes, seit 1939 ordentliches Vorstandsmitglied und nach dem tödlichen Unfall des Bruders 1945 dann Vorsitzender des Vorstandes bei Hansa.

Es waren bewegte Zeiten in der Brauwirtschaft, die in Deutschland längst zur Großindustrie geworden war und zahlenmäßig sogar die Rangliste der deutschen Aktiengesellschaften anführte. Entsprechend groß waren die Konkurrenzkämpfe, die als "Bierkrieg" oder "Hektoliterwut" in die Annalen der deutschen Wirtschaftsgeschichte eingegangen sind. Die Brauereien suchten im unerbittlichen Kampf um Marktanteile eine möglichst große Zahl von Kunden durch die Gewährung von Darlehen gegen die alleinige Belieferung mit Bier vertraglich an sich zu binden und entwickelten sich so zu Kreditgebern großen Stils.

Ansicht der Hansa-Brauerei um 1914 (Quelle: WWA)Aus der Darlehenspraxis erklärt sich der außergewöhnliche Kapitalbedarf der Brauereien, zum Teil steckten mehr als 60 % des Aktienkapitals im an sich branchenfremden Kreditgeschäft. Hier liegen aber auch die Wurzeln für das bis heute fortbestehende Netz eigener Gaststätten, denn wenn der Wirt die Schulden nicht mehr begleichen konnte, fiel die Gaststätte an die Brauerei.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte dann eine atemberaubende Konzentrationswelle, an der auch die Hansa-Brauerei teilhatte. Außer der bereits erwähnten Linden-Brauerei übernahm Hansa noch die Adler-Brauerei in Unna sowie zwei weitere Dortmunder und vier Brauereien aus dem Sauer- und Münsterland. 1929 gewann man dann mit der Eingliederung der Detmolder Sinalco AG ein weiteres Standbein im Markt alkoholfreier Getränke, das Hermann Heller im Wiederaufbau nach 1945 mit der Westdeutschen Getränke-Industrie GmbH noch weiter festigte.

So hinterließ er 1959, als er den Vorstandsvorsitz abgab und in das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden wechselte, das er bis zu seinem Tode im Jahr 1971 inne hatte, ein wohlbestelltes Haus, das im Jahr rd. 800.000 hl Bier braute. In sein letztes Lebensjahr fiel der Verkauf einer Schachtelbeteiligung am Grundkapital von Hansa an die Dortmunder Actien-Brauerei.


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