Die Familie Mauritz und die DAB
Von Karl-Peter Ellerbrock

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Alfred Mauritz, aufgenommen anlässlich des 60 jährigen Bestehen der DAB im Jahre 1928 (Quelle: WWA)Die Familie Mauritz war in Uerdingen am Niederrhein und in Holland ansässig und engagierte sich u. a. als Gewerken im Essener und Duisburger Raum, war aber auch an Banken und Industrieunternehmen beteiligt. Heinrich Mauritz (1832 - 1894), Sohn des Uerdinger Stadtverordneten, Kohlenhändlers, Reeders und Gewerken Carl Mauritz (1805 - 1861), war zusammen mit seinem Bruder Friedrich (1834-1900), dessen Schwiegervater Laurenz Fischer aus Euskirchen und dem Dortmunder Kaufmann Heinrich Herberz 1868 Gründer der Dampfbierbrauerei Herberz & Co. in Dortmund, aus der 1872 die Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) hervorging.

Schon 1869, also ein Jahr nach ihrer Gründung, warf die Brauerei einen Reingewinn von 20.000 Taler ab. Dies animierte wohl noch andere Familienmitglieder, sich an der Dortmunder Brauerei zu beteiligen. Nachweislich war ein weiterer Bruder, Jacob Mauritz (1846 - 1925) kapitalmäßig beteiligt und nahm Funktionen als Direktor und im Aufsichtsrat wahr. Lebensmittelpunkt der Gründer-Generation blieb Uerdingen, wo Heinrich zu den Honoratioren der Stadt zählte und zum Ehrenbürger und Kommerzienrat ernannt wurde.

Erst die nächste Generation wurde dann in Dortmund unternehmerisch aktiv. Die Cousins Theodor (1862 - 1944), Sohn des Heinrich Mauritz, und Alfred (1867 - 1938), Sohn des Friedrich Mauritz, sollten über viele Jahre die Geschicke der Brauerei verantwortungsvoll leiten. Der promovierte Jurist Theodor war Regierungsassessor in Düsseldorf und übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrates. Alfred hatte in Krefeld Abitur gemacht, studierte Chemie in Würzburg und promovierte dort zum Dr. phil., bevor er in verschiedenen Brauereien arbeitete. 1892 trat er in den Vorstand der DAB ein und war bis 1933 Vorsitzender. In diesem Jahr löste er bis zu seinem Tode Theodor als Vorsitzenden des Aufsichtsrates ab.

Ansicht der Brauerei Herbertz & Co., gegründet 1868, nach einer zeitgenössischen Lithographie (Quelle: WWA)Seit dem Eintritt von Alfred Mauritz in die Unternehmensleitung war die Dortmunder Actien-Brauerei dann allerdings auf Erfolgskurs. Dividenden in Höhe von 20 % und mehr waren eher die Regel als die Ausnahme. Die Produktionstechnik wurde auf den neuesten Stand gebracht, so dass sich die Dortmunder Actien-Brauerei zu einer "Bierfabrik" wandelte, die ein hochstandardisiertes, industriell gefertigtes Produkt herstellte. Mit 240.000 hl vor dem Ersten Weltkrieg und 765.000 hl am Vorabend der Weltwirtschaftskrise von 1929 lag Dortmunder Actien-Brauerei nach der Dortmunder Union-Brauerei, die zur größten Brauerei Westdeutschlands aufgestiegen war, in Dortmund auf Rang zwei und zählte auch in Deutschland zur Spitzengruppe.

1917 wurde die Dortmunder Tremonia-Brauerei übernommen, ein Jahr später die Gütersloher Brauerei. Bis 1922 folgten weitere acht Übernahmen. Aus der Fusion mit der traditionsreichen Brauerei Heinrich Stade entwickelte sich dann eine dauerhafte Kapital- und Unternehmensverflechtung von zwei bedeutenden Dortmunder Brauerfamilien. Die Stade-Brauerei war 1827 von der Familie Stade gegründet und 1911 in eine GmbH umgewandelt worden. Zur Fusion mit der Dortmunder Actien-Brauerei kam es durch die Beteiligung der Familie Stade, die 2.160.000 neue DAB-Aktien erhielt, an der Dortmunder Actien-Brauerei. Carl Stade war dann seit der Fusion bis 1958 im Vorstand der Dortmunder Actien-Brauerei, und die Familie Stade wurde nach der Familie Mauritz zweiter Hauptaktionär.

Diese unternehmerischen Erfolge sind nicht hoch genug einzuschätzen, bewegte sich doch das Grundkapital, nicht untypisch für "Familienaktiengesellschaften", bis in die 1960er Jahre hinein, als ein Großteil der Mauritzschen Familienbeteiligung vom Bielefelder Oetker-Konzern übernommen wurde, am unteren Limit. Dass die Unternehmensfinanzierung für die zahlreichen Übernahmen über den Kapitalmarkt anscheinend aber dennoch problemlos funktionierte, spricht für die solide Geschäftspolitik und die hohe Bonität, die die Familie Mauritz und ihr Unternehmen bei den Banken besaß.


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